Ratgeber
Die Chance für traumhafte Gartengestaltungen

Hanggarten

Alexandra Lindert
|
28.03.2017
|
8 Min Lesezeit
TODO:
Alexandra Lindert
28.03.2017
|
8 Min Lesezeit

An Grundstücke mit Hanglage trauen sich nur wenige heran. Doch warum? Wir zeigen worauf bei einem Hanggarten zu achten ist und geben Tipps, wie Ihre individuelle Hanggestaltung perfekt gelingt.

Hanggarten

Günstiges Grundstück mit Hanglage “: Diese oder ähnliche Anzeigen machen häufig so manchen Bauinteressenten skeptisch. Eine aufwendigere Bauweise der Häuser durch zusätzliche Sicherungen im Fundament, eingeschränkte Gartennutzung oder eine mühevolle Sicherung des Gefälles lauten häufig jene Kontra-Argumente, die pauschal gegen ein Grundstück mit Garten am Hang sprechen. Dabei bieten ein Hanggarten durchaus spannende Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung.

Unterschiedlich gestaltete Ebenen, mit einer besonderen Pflanzen- und Materialauswahl sorgen für eine besondere Abwechslung bei der Gartengestaltung. Die einzelnen Plateaus bepflanzen und gestalten Sie frei nach Ihren Ideen und erhalten so einen einzigartigen Garten. Deshalb ist unser Rat vorab: Suchen Sie anhand von Bildern im Internet oder aus Broschüren und Fachbüchern nach Inspirationen und Ideen. Sie werden sehen - die Anzahl der Möglichkeiten bei Hanglage sind beachtlich und für jeden Gartenliebhaber bietet ein Hanggarten die passende Variante.

Die Planung des Hanggartens

Ob Sie die Planung selbst vornehmen oder hierfür auf einen Landschaftsarchitekten zurückgreifen, liegt natürlich ganz bei Ihnen. Doch grundsätzlich ist eine solche Planung mit ein wenig Phantasie auch selbst umsetzbar. Ein einheitlicher Stil, welcher auch zum Haus passend ist, lässt den Garten am Hang harmonisch wirken. Vermessen Sie Ihren Hanggarten oder nehmen Sie die Maße Ihres Grundstücksplanes und verwenden diese als Ausgangsbasis. Je nach Größe des Hangs können Sie anhand Ihrer Eintragungen im Plan Ebenen, Wege und Grob-Bepflanzungen definieren.

Zur Begradigung des Hangs und dessen Gelände (wenn gewünscht), können Privatanbieter mit kleinen Baggern in Auftrag genommen werden. Diese setzen Erdarbeiten, die mit Schaufel und Spaten kaum zu bewerkstelligen sind, schnell und meist recht günstig um. Natürlich nehmen auch Fachfirmen diese Aufträge entgegen oder Ihr Landschaftsarchitekt nutzt seine Kontakte.


Wichtig: Bemessen Sie für sich vorher ein verfügbares Garten-Budget. Die Kosten einer Gartengestaltung mit Gefälle können schnell sehr hoch werden, wenn größere Veränderungen nötig sind. Bedenken Sie im Voraus folgende mögliche Investitionen:


Benötigte Investitionen können sein:
- Kleinbagger, Rüttelplatte
- Kosten für Erdgut-Transport (falls nicht bereits im Bagger-Preis enthalten)
- Landschaftsarchitekt/Gärtner (falls benötigt)
- Abgrenzungen (Stein- oder Betonkonstruktionen, wie Gabionen)
- Handlauf entlang der Treppen (wenn vorhanden)
- Fachfirma für Mauerwerkserrichtung
- Gehwegmaterial (Kies/Pflasterplatten/ Dielen/Naturrasen)
- Bepflanzung (Pflanzen: Stauden, Blumen und Hecken)
- Beleuchtungs-Lösungen (falls gewünscht)
- Elektriker-Kosten für Beleuchtungsanschluss/Integration
- Pool/Teich/Pavillon als Highlight-Objekte (gegebenfalls auch später umsetzbar) und entsprechende Errichtungs- bzw. Installationskosten.
- Sickerschacht/Kanalisations-Anschluss (falls am unteren Hang-Teil benötigt)

Hanggarten terrassieren

Ab einem Höhenunterschied von 80 Zentimetern, bietet es sich an, den Garten am Hang zu terrassieren. Die Unterteilung in einzelne Ebenen und Areale durch höhere Wände und clevere Bepflanzung sollten Sie einem Fachmann überlassen. Wird der Garten durch große Gefälle getrennt, kommt man meistens auch nicht um den Bau von Fundamenten für stützende Mauern sowie Treppen vorbei. Trockenmauern können diese Kräfte nicht abfangen und eignen sich daher nur für geringe Gefälle. Der Hang wird grundsätzlich von unten nach oben mit Hilfe eines Minibaggers aufgebaut. Die später entstehenden Treppen werden dabei als Weg zu den einzelnen Ebenen verwendet. Dabei richtet sich die Anzahl, Höhe und Tiefe dieser Geländestufen nach dem Geländegefälle.

Die Niveau-Unterschiede können sich auch durchaus für außergewöhnliche Gestaltungsideen , wie die Anlage eines Senkgartens, eignen. Dabei handelt es sich meist um einen rechteckigen Bereich im Garten, welcher vollends mit Natursteinmauern eingerahmt und bepflanzt ist. Im Senkgarten , kann dann ein Sitzplatz, Beet oder Gewässer angelegt werden.

Überlegen Sie sich also im Voraus gut, welche Pflanzen und Materialien Ihren Garten am Hang gestalten, da ein Hanggarten mitsamt seinem Erdreich im Nachhinein nur mit großem Aufwand umgestaltet werden kann.

 

Auswahl der Stützmauer

Da die Hangstützen ein prägnanter Teil vom Garten werden, sollten diese sehr bewusst ausgesucht und dabei auch keine Kosten gescheut werden. Im Nachhinein lassen sich diese nur schwer an einem Hanggarten austauschen. Die Stilrichtung wird vor allem maßgeblich durch die Art der Mauer vorgegeben. Für mediterranen und natürlichen Flair sorgen Mauern mit groben Natursteinen in erdfarbenen Ocker-Tönen die „trocken“ also ohne Mörtel geschichtet werden. Soll die Mauer eher modern sein und zu einem Architektenhaus passen, sorgen klare Betonbegrenzungen für eine minimalistische Optik.

Je nach Design und Budget, können auch Glas- oder Edelstahl-Elemente auf ein flaches Fundament oder Abgrenzungen aus Beton aufgesetzt werden. Planen Sie deshalb kleine Ruheecken oder Aussichtspunkte direkt mit ein. Ein zweiter Essplatz oder eine Nische mit Bank lassen sich bei Terrassen leichter verwirklichen. Auch die Mauern selbst bieten ebenso hübsche Sitzgelegenheiten.

 

Treppenverläufe bei einem Hanggarten

Die Treppen bzw. Gehwege selbst können wiederum direkt an die Wände der Ebenen und Plattformen angepasst sein oder sich auch bewusst von diesen abgrenzen um Kontrast zu schaffen. Da sie die Ebenen bei einem Hanggarten sowie die Mauern verbinden, ist es das einfachste das gleiche Material zu verwenden. Je nach Gefälle kann der Weg gerade, in Geraden mit Versatz pro Terrasse oder in Kurven den Hang hinab laufen. Verbauen Sie idealerweise einen Handlauf entlang der Gehweg-Treppen, um bei schlechten Witterungsbedingungen nicht ins Rutschen zu kommen.

Achten Sie darauf, die Treppenstufen am Hang nicht zu steil anzulegen. Eine Stufenhöhe von 17 Zentimetern gilt als optimal. Der Auftritt selbst sollte eine Tiefe von 26 Zentimetern aufweisen. Weichen Sie zu viel von diesen Standardmaßen ab, wird Ihnen das Treppensteigen ungewohnt vorkommen. Die einzelnen Stufen sollten mit etwas Quergefälle angelegt werden, damit sich kein Wasser auf den Tritten sammelt.

 

Gehweg-Beleuchtung

Um Ihren Garten am Hang in phantastisches Licht zu tauchen, können entlang der Befestigungsmauern Elemente der Gartenbeleuchtung, zum Beispiel Wand- oder Bodenspots, gesetzt werden. Auch Pollerleuchten sind eine mögliche Lösung. Da ohnehin Strom benötigt wird, können im selben Atemzug auch Garten-Spots zur Akzentuierung von Pflanzen, Bäumen und Steinfindlingen positioniert werden. Alles in allem ergibt sich somit ein eindrucksvoller Hanggarten , der sich als Prunkstück zu Ihrem Haus erschließt.
Die richtige Bepflanzung als Schutz vor Hangrutsch

Je nach Größe der einzelnen Terrassen-Ebenen sollte bei der Auswahl der Bäume auf die Maximalgröße sowie Wurzeltiefe geachtet werden. Risse in Mauern sind ein unschönes und problematisches Ergebnis zu naher Baumbepflanzung. Ist das Mauerwerk durch Natursteine gestützt, empfiehlt sich die Bepflanzung von Bodendeckern , die durch engmaschige Wurzeln dem Abrutschen von Hängen Einhalt gebieten. In solchen Trockenmauern fühlen sich besonders Tiere durch den Schutz der Fugen wohl. Da aufgrund von Terrassen, Treppen und Gefälle ohnehin Steine, Gabionen oder kleinere Felsbrocken häufig eingesetzte Deko-Elemente sind, sind terrassierte Gärten geradezu prädestiniert für eine typische Steingärten-Bepflanzung.

Weiter können Ziergräser, Stauden, Büsche oder weitere farbenfrohe Pflanzen mit ebenso dichtem und verzweigtem Wurzelwerk gepflanzt werden. Eine Hangbepflanzung mit langlebigen und pflegeleichten Pflanzen empfiehlt sich, da die einzelnen Ebenen bei einem Hanggarten aufgrund vom Höhenunterschied oft schwer zugänglich sind. Beziehen Sie ebenso die Ausrichtung des Hanges in Ihrem Garten ein. An einem steilen Südhang zum Beispiel sind Pflanzen dauerhaft direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Robuste Blumen, wie Taglilien bewähren sich somit besser. Mit einem Hanggarten in Richtung Norden wiederrum sollten Sie auf schatten- und feuchtigkeitsliebende Pflanzen, wie Liguster setzen.

Auch für Obstliebhaber haben Hanggärten keinerlei Nachteile. Im Gegenteil: Je nach Wohnort und Himmelsrichtung genießen Weinreben, Säulenobstbäume oder Obststräucher eine optimale Lichtversorgung.

Erholungsräume gestalten

Meist thront das Haus an der Spitze des Anwesens, während der Gartenweg den Hang hinab führt. Je nach Gartengröße können auf den jeweiligen Terrassen verschiedene Rückzugsorte geschaffen werden. Platzieren Sie diese jedoch nicht zu weit unten, damit Sie von Ihrem Podest noch genügend Vorsprung haben, um von dort Ihren restlichen Garten am Hang zu überblicken. Überdachte Sonnenplätze mit Gartenlounges, Pavillons, Gartenmuscheln oder Grillmöglichkeiten sind gezielt Highlights im Hanggarten für die ganze Familie.

Für ein zusätzliches mehr an Luxus sorgt ein eingelassener Swimmingpool oder angelegter Wasserlauf. Am Ende des Gefälles könnte sich als „Zielort“ Ihrer Wanderung ein Gartenhaus befinden. Denken Sie bei der Planung für Ihren Hanggarten an einen Stromanschluss , damit sich zum Beispiel ein kleiner Kühlschrank anschließen lässt. Gegebenenfalls möchten Sie für ein erfrischendes Getränk oder eine kleine Mahlzeit nicht erneut den ganzen Hang wieder hinaufgehen.

Pavillon, Feuerstelle oder Gewässer sind weitere Gestaltungsideen , um den waagerechten Part am Hang-Ende zu nutzen.

Pflege, Regen- und Winterschutz beim Hanggarten

Die Pflege eines Grundstücks am Hang unterscheidet sich nur geringfügig von einem normalen Garten. Klar ist, dass Wasser, dank der Schwerkraft, seinen Weg immer nach unten finden wird. Somit ist für heftige Niederschläge zu überlegen, ob entsprechende Abläufe und Rinnen angelegt werden. Diese befinden sich, ähnlich wie bei Straßen, an der Seite des Gehweges. Damit sich das untere Ende des Hanggartens nicht in ein Schwimmbad verwandelt, muss unbedingt mithilfe von Drainage- oder Kanalgrundrohren ein Anschluss an eine Kanalisation oder ein umfangreicher Sickerschacht vorhanden sein. Die Wurzeln der Pflanzen sollte das Erdreich möglichst beisammenhalten.

Vermeiden Sie es, Ihren Garten am Hang mit Monokulturen zu bepflanzen . Verschiedene Pflanzen mit unterschiedlichen Wurzeltiefen sichern das Erdreich wie eine Mauer ab. Auch oberflächliche Abschwemmungen können störend sein und für unschöne Verschmutzungen in Gärten sorgen.

Im Winter sollte aufgrund der Rutschgefahr Salz oder Streukies zur Verfügung stehen , um gerade bei Hanggärten, Unfälle zu vermeiden. Gerade jetzt werden auch die Handläufe entlang der Treppen wichtig. Bei viel Schnee bietet es sich an, Markierungsstäbe entlang des Weges zu setzen, um hier nicht die Übersicht zu verlieren.

 

Wir hoffen, wir könnten mit unseren Tipps wertvolle Hilfe für die Anlage eines Hanggarten schaffen und wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Garten-Projekt!


Alexandra Lindert
verfasst von Alexandra Lindert

Kommentare (0)