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Die Füllung eines Insektenhotels

Zimmer oder ganze Suiten, die unterschiedlich befüllt sind, locken diverse Insekten mit unterschiedlichen Bedürfnissen in ein Insektenhotel. Aber was ist überhaupt alles im Insektenhotel vorhanden und warum? Lesen Sie im dritten und letzten Teil unserer Insektenhotel-Serie, welche Naturmaterialien als Füllung für ein Insektenhotel geeignet sind.

Die meisten fertigen Insektenhotels haben unterschiedliche Zimmer bereits eingerichtet, teilweise gibt es auch Abteile, die man selbst noch befüllen kann. Mit der Zeit müssen Sie zudem stark verwittertes, nicht belegtes Füllmaterial nach ein paar Jahren austauschen. Daher ist wichtig zu wissen, aus welchen Naturmaterialien die Füllung eines Insektenhotels überhaupt besteht.
Wichtig bei der Wahl des richtigen Materials ist es, dass die Füllung stets trocken und selbstverständlich nicht mit chemischen Holzschutzmitteln oder gar Pestiziden belastet ist.


Pflanzenstängel

Zimmergäste: Wildbiene, Wildwespe

Besonders beliebte Materialien für das Insektenhotel sind hohle und markhaltige Pflanzenstängel. Hohle Pflanzenstängel werden als Nisthöhlen verwendet. Besonders beliebt sind hier Schilfrohre, aber auch Bambusröhren.
Bei Pflanzenstängeln ist darauf zu achten, dass die Schnittkanten gerade und nicht ausgefranst oder zersplittert sind. Zum Kürzen von Schilfrohren daher lieber eine Säge als eine Gartenschere verwenden oder die Halme vorm dem Schneiden in Wasser einweichen.
Bambus ist deutlich flexibler und kann auch im trockenen Zustand mit einer Ast- oder Gartenschere geschnitten werden. Am besten schneiden Sie die Bambusröhren immer unmittelbar nach dem Knoten an der sogenannten Scheidennarbe, der waagerecht verlaufenden Linie, entlang des Halms ab. So ist diese Röhre hinten direkt verschlossen.

Verwenden Sie zudem Pflanzenstängel unterschiedlicher Pflanzen und Dicken, denn nicht alle Wildbienen- und Wespenarten haben denselben Geschmack und sind gleich groß. Sie brauchen und bevorzugen daher unterschiedlich große Öffnungen. Werden verschiedene Größen angeboten, werden sich auch automatisch mehr Arten in Ihrem Insektenhotel ansiedeln.

Manche Wespen- und Bienenarten fressen sich auch selbst Hohlräume in markhaltige Stängel, jedoch bevorzugen die meisten Biene und Wespen bereits bestehende Hohlräume und wollen nicht noch selbst Hand anlegen müssen. Sollten sie jedoch auch Arten, die markhaltige Stängel präferieren, einen Platz bieten wollen, sollte Sie hier vor allem auf Brombeeren, Himbeeren, Heckenrosen, Disteln oder Flieder zurückgreifen. Holunder wird zwar häufig als geeignete Füllung für ein Insektenhotel beworben, wird jedoch in der Natur relativ selten angenommen und eignet sich daher auch als Lock- und vor allem Nistmaterial für ein Insektenhotel nur bedingt. Bei der Verwendung von markhaltigen Pflanzenstängeln sollten sie zudem darauf achten, dass diese nicht wie die hohlen Stängel waagerecht, sondern senkrecht angebracht werden. Denn in der Natur finden die Wildbienen- und Wespenarten diese Stängel eben auch nur in senkrechter oder schräger Ausrichtung und sind demnach instinktiv auf Stängel in senkrechter Ausrichtung gepolt. Ein waagerecht platzierter markhaltiger Stängel im Hotel würde somit mit großer Wahrscheinlichkeit vom Insekt gar nicht erst als geeignet erkannt und somit auch links liegen gelassen werden.


Angebohrtes Hartholz

Zimmergäste: Wildbiene, Wildwespe

Generell empfiehlt sich als Hartholz das Holz eines jeden Laubbaumes. Besonders geeignet sind die Hölzer aus Buche, Esche und Eiche, aber auch das Holz vom Apfelbaum oder das des Haselnussstrauchs. Wichtig ist die Verwendung eines Hartholzes, da dieses sich bei Feuchtigkeit nicht oder nur wenig verzieht.
Achten Sie zudem bei einem fertigen Insektenhotel und vor allem, wenn Sie selbst Hartholz anbohren wollen darauf, dass auch hier die Seitenwände und Schnittkanten glatt und die Löcher sauber gebohrt sind. Bohren Sie daher stets ins Längsholz, also parallel zur Rinde. Diese glatten Flächen sind wichtig, da die Bienen und Wespen rückwärts in den Halm oder den Holztunnel kriechen müssen, um den gesammelten Pollen oder Nistmaterial in die Brutröhre zu bringen. Und abstehende Splitter und Fasern würden die empfindlichen Flügel der Insekten verletzen. Oft suchen Bienen und Wespen solche schlecht verarbeiteten Öffnungen dann gar nicht erst auf, sondern ziehen weiter und lassen Ihr Insektenhotel unbeachtet zurück.

Auch sollten Löcher mit unterschiedlich großen Durchmessern vorhanden sein, so dass verschiedenen Bienen- und Wespenarten sich von diesem Nisthöhle angesprochen fühlen. Empfehlenswert sind verschiedene Öffnungen mit einem Durchmesser von 2 bis 10 Millimetern und eine Tiefe der Röhren von etwa 12 Zentimetern. Das Holz sollte nicht ganz durchgebohrt sein, sondern vielmehr ein nach hinten abgeschlossener Tunnel, in dem sich die Bienen und Wespen zurückziehen und auch geschützt nisten können.


Dünne Äste

Zimmergäste: Schmetterling

Schmetterlinge ziehen sich am liebsten in ein abgedecktes Abteil, das mit dünnen Ästen befüllt wurde, zurück. Die Abdeckung des Abteils mit einer Holzplatte enthält dabei einen oder mehrere ausgesägte oder ausgefräste vertikale Schlitze, durch die der Schmetterling bequem in sein Zimmer gelangen kann. Dort ist er dann dauerhaft im Winter gut vor Wind und Wetter geschützt oder ruht sich einfach nur kurz auf den Ästchen aus.
Die Ästchen sollten, damit Sie für den Schmetterling geeignet sind, nicht dicker als 5 Millimeter sein. Zudem sollten sie nicht ganz durchgetrocknet, sondern noch frisch sein, da sie dann flexibler in das Abteil geklemmt werden können und nicht so leicht brechen.


Holzwolle

Zimmergäste: Florfliege, Marienkäfer, Ohrwurm

Holzwolle wird als natürlicher Polsterschutz für bruchempfindliche Gegenstände wie Glas und Porzellan verwendet und ist daher ein gängiges Verpackungsmaterial im Versandhandel. Aber auch als Dämm- und Isolationsmaterial wird es eingesetzt. Diese Eigenschaft ist es auch, die Holzwolle zu einer beliebten Füllung für Insektenhotel-Zimmer für Florfliegen, Marienkäfer und Ohrwürmer macht. Insbesondere Florfliegen mögen gut isolierte, mit Holzwolle ausgestattete Abteile, da sie die kalten Monate bereits im Fliegenstadium verbringen. Sie brauchen im Winter daher möglichst warme Versteckmöglichkeiten, in denen sie problemlos überwintern können. Lamellenartige waagerechte Öffnungsschlitze erleichtern Florfliegen zudem den Eingang ins Hotel. Ist die Fassade des Hotels dann auch noch rot angestrichen, wird sicherlich die eine oder andere Florfliege in Ihrem Insektenhotel über die Wintermonate wohnen.
Holzwolle ist im Fachhandel für Verpackungsmaterialien, aber oft auch im Bastelgeschäft zu finden. Oder man sammelt die Holzwolle, die in Verpackungen von Weinflaschen, Gläsern und Co. kostenlos mitgeliefert wird. Allerdings sollten Sie stets sicher gehen, dass die Holzwolle unbehandelt, also frei von Holzschutzmitteln, ist, um den Insekten letztlich keinen Schaden zuzufügen.


Frisches Stroh

Zimmergäste: Ohrwurm, Florfliege

Abteile mit frischem Stroh sind gerade bei Ohrwürmern sehr beliebt. Denn ähnlich wie Holzwolle hat auch Stroh isolierende Eigenschaften. Dort kann sich das fürsorgliche Insekt besonders gut um seinen Nachwuchs kümmern und auch selbst den kalten Winter überstehen. Aber auch Florfliegen mögen diese gut vor Witterung geschützten Stroh-Abteile, wo sie im Winter bleiben können. Naturbelassenes Einstreustroh erhalten Sie entweder im Zoofachgeschäft oder Sie fragen einfach beim (Bio-)Bauern nach etwas Stroh für Ihre Ohrwürmer und Florfliegen.

Zapfen

Zimmergäste: Ohrwurm, Marienkäfer, Florfliege

Abteile mit Zapfen (Kiefern- oder auch Tannenzapfen) dienen eher als Unterschlupf, weniger als geschützte Rückzugsmöglichkeit zur Überwinterung. Dennoch ziehen sich Marienkäfer und auch mancher Ohrwurm gelegentlich in einen Zapfen zurück. Florfliegen jagen in der Dämmerung und Nacht und nutzen die Zapfen tagsüber als Versteck. Ein so bestücktes Abteil würde also auch die eine oder andere Florfliege mehr anlocken.




Wer schläft wo?


Haben Sie schon die vorhergehenden Beiträge unserer Insektenhotel-Serie gelesen?


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