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Der japanische Garten

Wer sehnt sich in der heutigen, hektischen Zeit nicht manchmal nach Entspannung und Ruhe? Gärten sind der ideale Platz, um die Seele baumeln zu lassen.

Insbesondere japanische Gärten haben Ihren Fokus genau darauf gelegt: Japanische Gärten schaffen vor allem Reflexions- und Meditationsräumen. Was ursprünglich als exklusive Grünanlage für die herrschende Elite Japans bestimmt war, um während des Krieges einen Ort der Stillezu finden, entwickelte sich in ein tief verwurzeltes Element der japanischen Kultur. In einer Welt, die sich schnell bewegt und in einem Leben, das kaum Zeit zum Entspannen oder zur Inspiration zulässt, ist ein Raum des Rückzugs wichtiger denn je.

Auch Sie können Ihrem heimischen Garten eine japanische Anmutung verleihen. Wir erklären Ihnen in diesem Beitrag, wie es geht.


Aufbau und Grundlagen eines Japangartens

Es gibt sehr wenige Menschen auf der Welt – schätzungsweise nur etwa 100 bis 200 -, die tatsächlich einen japanischen Garten in seiner wahrsten Form geschaffen haben. Damit Sie so nah wie möglich an einen Japangarten in seiner Ursprünglichkeit herankommen oder zumindest eine auf diesem Stil basierende Gartengestaltung umsetzen können, gilt es einige Grundlagen zu beachten.

Viele denken beim Stichwort „japanischer Garten“ an prächtige Kirschblüten, farbenfrohe, üppige Bauten und lebensgroße, goldene Drachenfiguren. Diese Gegenstände sind jedoch aus der chinesischen Tradition abgeleitet und werden häufig mit der der Japaner verwechselt.

Statt kräftiger Farben und auffälligen Bauten wird in einem japanischen Garten monochromatisches Grün bevorzugt. Blumen werden nur rar gepflanzt und sollen durch Ihre farbige Erscheinung vor allem die dominierenden Grüntöne hervorheben.

Darüber hinaus spielt in einem japanischen Garten die Struktur eine bedeutende Rolle. Der Gedanke hinter einer japanischen Gartengestaltung ist, dass jedes kleine Detail ein Symbol beinhaltet. Die Gärten sind so angelegt, dass ihre Besucher zahlreiche Entdeckungen machen können. Meistens führt ein Blick aus einer anderen Perspektive zu einem ganz anderen Eindruck der gleichen Anlage. Dies wird durch eine asymmetrische, dezentrale Anordnung erreicht wird. Die Gesamtheit der Landschaft soll „Zen schaffen“, was bedeutet, dass alles einem Zweck dient.

Elemente des japanischen Gartens

Felsen und Steine

Das Material Stein spielt im japanischen Garten eine zentrale Rolle. Steine stehen für Tiere und Himmelsgötter. Sand, Kies und speziell Granitkies, welcher nicht so schnell verweht, finden insbesondere im Kare-san-sui-Garten Anker Gebrauch, um Wasser darzustellen. Mit geharkten Linien werden Wellen nachempfunden. Steine an einem Berg können als liegende Hunde, Wildschweine oder als Kälber, die mit ihrer Mutter spielen, aufgefasst werden. Genau wie die Gärten in ihrer Gesamtheit soll die Kombination von handbearbeiteten Steinfiguren und Natursteinen die Einheit von kontrollierter und unkontrollierter Natur widerspiegeln.

Wasser

Das Wasser steht für den Ozean und die Meeresgottheiten. Laut einer chinesischen Legende verwandelt sich ein Fisch, der einen Wasserfall hinauf gelangt, in einen Drachen. Dieser Drachentor-Wasserfall stellt in Japan ein Sinnbild für Erleuchtung (Satori) dar.

Bäume und Moos

Moos hält Feuchtigkeit am Boden und symbolisiert zugleich Alter, was in Japan gleichzeitig Ehre und Weisheit bedeutet. Bäume sind ein Symbol für das Leben. Sie können auch als Sinnbild für das Menschsein angesehen werden, da sie Teil eines Ganzen und zugleich individuell sind. Bambus ist sowohl biegsam als auch standfest. Die einzelnen Abschnitte des Rohrs symbolisieren die Generationen. Pflaumen- und Kirschbäume blühen im Verlauf eines Jahres auf und verblühen wieder, wodurch Vergänglichkeit gezeigt wird. Ein weiterer möglicher Kontrast ist die Kombination immergrüner Kiefern mit Pflaumenbäumen, was den Dualismus von Augenblick und Ewigkeit darstellt.

Besonders beliebt ist auch das Pflanzen eines Bonsai. Damit dieses typische Bäumchen möglichst lange überdauert, sollten Sie vorab einen geeigneten Standort suchen. Je nach Art des Baums kommen unterschiedliche Orte infrage.

Wege


"Tobi-Ishi", sogenannte Trittsteine, sind die wohl am häufigsten anzutreffende Art von Wegen in japanischen Gärten. Das Begehen eines Tobi-Ishi-Weges erfordert viel mehr Aufmerksamkeit als das Laufen auf einer asphaltierten oder gepflasterten Fläche - der Besucher muss kleine Sprünge von einem Stein zum anderen machen. Dies beeinflusst die Art und Weise, wie der Besucher den Garten erlebt. Dadurch soll erreicht werden, dass die Gäste Zeit haben, um den Alltag hinter sich zu lassen und beispielsweise sich mental auf die traditionelle Teezeremonie vorzubereiten. Teemeister Sen no Rikyu führte erstmals einen solchen Tobi-Ishi-Pfad ein und empfiehlt die Trittsteine 6 cm über dem Boden zu setzen.

Architektonische Bauten und Dekoelemente

Anders als im chinesischen Garten (mehr hierzu lesen Sie im Beitrag "Der chinesische Garten") spielen nur Brücken und Teehäuser eine größere Rolle als architektonische Aufbauten. Sie sind als Orte des Verweilens, des Nachdenkens und der Meditation zu verstehen.

Steinerne Dekoelemente wie Wasserbassins, Türme und Laternen sind jedoch wesentliche Bestandteile in japanischen Gärten. Die Laternen bestehen aus diesem Material und sollen ein Gefühl der Balance und Stabilität verleihen. Meist befinden sie sich entlang eines Weges, um Besucher durch den Garten zu führen. Steintürme sollten ursprünglich böse Geister vertreiben, heute werden sie jedoch eher rein dekorativ verwendet. Das Waschbecken in der Nähe des Teehauses ist ein für Teezeremonien notwendig. Vor der Teilnahme sollen Körper und Geist gereinigt werden, indem man Mund und Hände im Becken spült.


Arten japanischer Gärten

©adobestock
Steingärten


Zengärten im Kare-san-sui-Stil, bei dem auf Wasser und größere Pflanzen ganz verzichtet wird, zeichnen sich durch eine abstrakte Gestaltung als Trockengarten aus. Der Ursprung dieses Gartenstils liegt im Zen-Buddhismus des 16. Jahrhunderts: Nach dem Ōnin-Krieg lag Kyōto in Trümmern. Geld zur Errichtung neuer Gärten war nicht vorhanden. In den Tempeln, die nun ohne üppige Finanzierung durch Aristokratie und reiche Familien auskommen mussten, entwickelte sich um 1513 ein neuer, sehr reduzierter Stil: Kare-san-sui, eine Gartenanlageaus Steinen und Sand. Diese berühmten Zengärten dienen ausschließlich dem Meditieren. Obwohl diese Gärten keine Wasser-Elemente enthalten, sollen diese Szenerien von Bergen und Flüssen porträtieren. Sandkies, der in ein fließendes Muster gestreut wird, soll den Fluss symbolisieren, während Felsen, die auf den Sand gesetzt werden, Berge darstellen sollen. Durch den radikalen Verzicht auf Pflanzen (nur ein wenig Moos wird zugelassen) soll die Anlage zeitlos und abstrakt wirken.


Tsukiyama-Gärten

Der japanische Garten in Tsukiyama-Marnier ist durch eine hügelige Gestaltung gekennzeichnet. Kleine Steinhaufen und künstliche Anhöhen stellen die Berge dar. Verschiedene Bepflanzungen stehen stellvertretend für Bergwälder. Ein Teich symbolisiert das Meer. Typischerweise dominieren Grün- und Rottöne, aber auch Weiß wird als Akzentfarbe eingesetzt. Der Garten im Tsukiyama-Stil, der im 8. bis 12. Jahrhundert ausgebildet wurde, wird auch bei vielen öffentlichen und institutionellen japanischen Gärten in Deutschland umgesetzt – manchmal auch in Verbindung mit Kare-san-sui.

©unsplash.com


Teegärten

Im Zusammenhang mit der für Japan typischen Teezeremonie entwickelte sich der sogenannte Chaniwa. Zentrum des Teegartens ist das Teehaus inmitten eines Hofes. Rund um das Teehaus gilt es eine Atmosphäre von Abgeschiedenheit von der Welt zu erzeugen, so dass die Teegäste zur Ruhe kommen können. Eine Wartebank und ein Wasserstein zum Reinigen der Hände gehört ebenso dazu wie das Tor, durch das man in den Teegarten eintritt und damit alles Weltliche hinter sich zurücklässt. Die Bepflanzung mit dichtem Bambus oder Sträuchern erzeugt den beabsichtigten Eindruck von Wildheit und Ursprünglichkeit.

Japanisches Flair im eigenen Garten schaffen

Die Schaffung eines japanischen Gartens mag wie eine einfache Idee erscheinen, aber in der Realität ist es eine Kunstform, die studiert werden muss, um diese in Perfektion zu erreichen. Das Verständnis der Basiselemente eines japanischen Gartens ist der beste Start, um einen solchen Garten zu gestalten. Lassen Sie allen Glanz und Glamour beiseite, diese Gärten sind Repräsentanten für Einfachheit und Zweck. Halten Sie Ihr Design aus diesem Grund simpel und unkompliziert. Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist die Verwendung von Materialien, die aus Japan stammen und gleichzeitig Einfachheit verkörpern. Zum Beispiel ist ein Bambuszaun eine natürliche und einfache Möglichkeit, um Ihren Garten abzugrenzen. Auch Elemente wie die typischen Steinlaternen, typische Steinpfade oder Steintürme sind weitere Möglichkeiten um Japan in Ihren Garten zu bringen. Meist werden eher geschwungene und holperige Wege angelegt, um den Besucher anzuleiten, den Garten aufmerksam zu beschreiten. Gerade Wege finden nur dann Gebrauch, wenn der Blick in eine bestimmte Richtung gelenkt werden soll.


Pflanzen im japanischen Garten

Japanische Gärten sind bekannt für üppige, grüne Pflanzen. Wenn Sie Ihren eigenen Garten im japanischen Baustil anlegen, wählen Sie immergrüne Pflanzen in den unterschiedlichsten Formen, Größen und Texturen. Beliebte Bäume für einen japanischen Garten sind allen voran die japanische Rotkiefer und der japanische Ahorn. Japanische Rotkiefern sind langlebig und stehen deshalb für Kraft und Ausdauer. Das japanische Wort hierfür ist „matsu“, was „warten“ bedeutet - eine mögliche Interpretation wäre das Warten auf den Geliebten. Andere beliebte Pflanzen für einen japanischen Garten sind beispielsweise die japanische Berberitze, Hosta, Farne und japanische Kalmus. Moose werden häufig als Bodendecker verwendet. Blumen sind ein eher seltenes Element in japanischen Gärten, da ihre auffällige Erscheinung zu Ablenkung während dem Meditieren führen könnte. Wenn Sie jedoch nicht auf die farbigen Schönheiten verzichten können, entscheiden sie sich für Nelken oder Azaleen, welche im Frühjahr blühen und das restliche Jahr über grün sind. Lassen Sie sich im Rahmen ihrer Pflanzenauswahl zur Sicherheit von einer Baumschule in Ihrer Nähe beraten, um herauszufinden, welche Pflanzen am besten in ihrem Garten gedeihen.

Auch wenn das Anlegen eines original japanischen Gartens eine große Herausforderung darstellt, wird sich der Aufwand lohnen. Da japanische Gärten durch Ihren Minimalismus für nur wenig Pflegeaufwand sorgen, werden Sie viel Ruhe und Zeit zur Meditation zurückbekommen.


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